Die Wunderübung

von Daniel Glattauer

Joana und Valentin haben sich vor fast 20 Jahren beim Tauchen, in perfekter, wortloser, stiller Unterwasserharmonie, kennengelernt. Seitdem ist viel Zeit vergangen, die Ehe ist erodiert und wortloses Verstehen ist empörten, laustarken Anschuldigungen gewichen. Jetzt sitzen sie im Beratungszimmer eines Paartherapeuten, der die Beziehung reparieren soll. Die Stimmung ist frostig.  Der Therapeut versucht, mit unkonventionellen Übungen und Tricks das Eis zu brechen – vergeblich. Doch dann greift er zu einer Wunderübung und die harte Kruste taut auf…

Eine hochkomische, feinsinnige Komödie über bestens bekannte Beziehungskonflikte und über einen der größten Geldbringer eines fast zu Tode industrialisierten Psychotherapiemarktes: die Paartherapie.

 

Premiere:
19.01.2018

weitere Vorstellungen: 26.01. und 27.01. , 02.02., 03.02., 09.02., 10.02., 23.02., 24.02., 25.02.

jeweils 19:30 Uhr, alle Vorstellungen in der Kulturbäckerei, Dorette-von-Stern-Straße 2, 21337 Lüneburg

Kartenvorverkauf in allen Lüneburger Vorverkaufsstellen und online         Reservierung per Mail: Kontakt

Für die Abendkasse reservierte Karten sind bis spätestens 19.00 Uhr an der Abendkasse abzuholen!

Restkarten an der Abendkasse

Es spielen:

Birgit Becker, Frank Hangen und Raimund Becker-Wurzwallner

Inszenierung: Laura Remmler

Valentin:

Das ideale Beratungsergebnis für meine Frau? Wenn ich sage: Liebling verzeihe mir, ab heute wird alles anders. Ich werde zu meinen bisherigen Pflichten nun auch noch deine Pflichten dazu übernehmen, und auch unsere gemeinsamen Pflichten, also alle Pflichten. Ich werde alle Pflichten übernehmen. Und du kannst dafür tun und lassen, was du willst. Das wäre das ideale Ergebnis für sie. Mir gehören die Pflichten, ihr gehören die Neigungen, alle, auch meine. Ich trete sie an sie ab.

Berater:

Wenn es nicht funktioniert, wenn es einfach nicht und nicht funktioniert, wenn man glaubt, dass man schon alles probiert hat, und wenn man noch etwas Zusätzliches probiert, und es funktioniert wieder nicht, noch immer nicht, weil es … weil es … schon ewig lange nicht mehr funktioniert, weil es eigentlich mehr oder weniger von Anfang an nicht funktioniert hat, dann könnte man ja, dann könnte man ja durchaus auf die Idee kommen … es ist eigentlich eine … eine sehr naheliegende Idee, die Schlussfolgerung, die logische Konsequenz sozusagen, dass man sagt, okay, beenden wir es, lassen wir es sein, hören wir auf, gehen wir auseinander, trennen wir uns. Ja trennen, ganz normal trennen. So habe ich es gemeint.

Joana:

Genau da, wo Sie sagen: Ein Wunder ist geschehen, alle Probleme sind verschwunden, die Krise ist bewältigt. Und Sie fragen, was dadurch anders geworden ist, also woran wir das erkennen würden. Da hatte ich plötzlich ein Kribbeln in den Händen und ich habe gespürt, wie der Funke rüber springt zu meinem Mann. Wie er Auge in Auge vor mir sitzt, und wie er sich gerade das Hirn zermartert, wie er angestrengt, ja verzweifelt nachdenkt, woran er erkennen würde, dass es keine Probleme mehr gibt. Und genau das ist das Problem. – Er würde es nämlich nicht erkennen. Niemals. Nicht in tausend Jahren. Denn um zu erkennen, dass es keine Probleme mehr gibt, muss man vorher erkannt haben, dass es Probleme gibt. Und das kann er einfach nicht erkennen, denn er sieht sie nicht, die Probleme. Für ihn gibt es sie nicht. Das ist das Problem.